ICH WAR SEBALD - ABVERKAUF

Das ensemble für städtebewohner liquidiert W.G. Sebalds "Nach der Natur - Ein Elementargedicht" in einem nur zu diesem Zweck angemieteten Ladengeschäft in Wiens Innenstadt – in Ottakring, in der Radowanhalle am Yppenplatz. Die Öffnungszeiten sind von 11h bis 22h. Jeder kann kommen, der Vereinsmitglied werden will, oder ist. Der Mitgliedsbeitrag kann individuell angepasst werden. Veranstaltungen sind immer. Solche mit zeitlich festgelegtem Rahmen beginnen um 19h und 21h. Am Sonntag ist der Laden wegen Inventur geschlossen. Die gesammelten Ergebnisse können virtuell verfolgt werden. Der Spielplan wird Anfang September 08 veröffentlicht.

Sebald arbeitete in seinen Texten am Gedächtnis der Randfiguren und Namenlosen. Zwischen historischen Persönlichkeiten, literarischen Figuren anderer Autoren und imaginierten Einzelschicksalen knüpft er Verbindungslinien, die dem Vergessen entgegenwirken. Sebalds Figuren sind oftmals Exilierte. Und wenn sie im geographischen Sinne nicht ausgewandert sind fühlen sie sich als Fremdkörper in einer Welt aus schleichenden Katastrophen und anhaltendem Fortschrittsglauben. Es geht um Die auf den billigen Plätzen. Im Abstand von jeweils 200 Jahren werden zeitgenössisch zweitrangige Persönlichkeiten in "Nach der Natur" behandelt: Grünewald; nicht Dürer. Steller; nicht Bering. Sebald; nicht Bernhard. Die Verdienste der "Loser" werden nach Todeseintritt höher bewertet, als Die ihrer berühmteren Zeitgenossen. Schnell frisst der Markt die vorher unliebsamen Kinder.

Der Text bleibt als Goldreserve auf der Bank, d.h. er wird weder in Teilen zitiert, noch als Ganzes vertont oder inszeniert, oder sonst wie fertig verpackt hergegeben. Sebalds Naturabgesang wird assoziativ liebkost, zugedeckt, in den Schlaf gesungen, wegweisend beworben, hintergründig betont, vermeidend chorisch ritualisiert, versteckt, übermalt, altschulmeisterlich wieder belebt, modernisiert und spezialisiert diskutiert. Ein Altar mit viel mehr Flügeln, als gewöhnlich. Jeder der beteiligten Performer stellt einen, oder mehrere Altarflügel her. Bilder in Form von Konzert, Hörspiel, Mono-Oper, Songwettbewerb, Videoinstallation, Druckfahne mit Text, Film und Performance. Die Mitte ist utopisch. Das Innere des Altars wird nie sichtbar. Eine Gemeinschaftsarbeit über Restposten.

Mitwirkende:
Thorsten Baensch, Andreas Berger, Martin Brandlmayr, Caspar Brötzmann, Mark Bruederle, Konstantin Bühler, Urs Bumbacher, Andy Chicken, Carla Coburger, Christoph Coburger, Gabriel Coburger, Werner Dafeldecker, Ariadne Daskalakis, Karin Dürr, dieb13, Peter Nils Dorén, Daniel van den Eijkel, Elffriede, Silvia Fässler, Doris Feik, fishy, Hans Peter Frehner, Michi Geretschnig, Sebastian Gottschick, Steffen Graupner, Michaela Grill, Peter Gruber, Lorenz Haas, Jack Hauser, Franz Hautzinger, Steve Heather, Helge Hinteregger, Jeannine Hirzel, Sabina Holzer, Sven Kerschek, Peter Kozek, Klaus Köhler, Sylvana Krappatsch, Barbara Kraus, Katharina Kutil, Robert Lunak, Jan Machacek, Sabine Mader, maki, Marc Matter, Florian Meyer, Benjamin McQuade, Martina Montecuccoli, Daniel Mouthon, Holger Müller, Viktor Müller, Robert G. Neumayr, Ken Norris, Fritz Ostermayr, Jan Otten, Lorenz Raths, Marcel Regenberg, Peter Rehberg, Dean Roberts, Billy Roisz, Nicola Romanò, Hermann Roth, Carolin Röckelein, Tex Rubinowitz, Bernhard Schabmayr, Philipp Schaufelberger, Derek Scherzer, Michaela Schwentner, Martin Siewert, Manfred Spitaler, Barbara Spitz, Oliver Stotz, Michael Strohmann, Martin Tiefenthaler, Anna Trauffer, Juliane Werner, Matthäus Winnitzki, Christian Wittmann, Siegmar Zacharias, Zeitblom, Meïr Zörnlaib