suizidal

Das Quintet Jean Paul erzählt folgende Geschichte:
     Ich bewohnte gemeinsam mit meiner Ehefrau ein altes Haus in einer ländlichen Gegend. Drei Pferden schenkte ich, seitdem ich sie erworben hatte, das Gnadenbrot auf meinem Anwesen. Tennis war einst meine große Passion, doch verfiel der Tennisplatz hinter dem Haus ebenso wie der Küchengarten und die Gewächshäuser. Meine Frau führte das Regiment. Oft war sie wochenlang verreist.
     Ich hatte als Chirurg in Indien gearbeitet. Zuletzt hielt ich mich, wann immer es die Witterung gestattete, im Freien auf, untersuchte Pflanzen und durchdachte Zusammenhänge.
     Meine Gestalt war recht gedrungen, doch auch groß, und meist hielt ich mich vornüber gebeugt.
     Nach Abschluss meines Grundstudiums zog ich weg, in der Absicht, mich woanders weiterzubilden. Damals einundzwanzigjährig, lernte ich im Sommer einen Bergführer kennen zu dem ich eine vertrauensvolle Beziehung aufbaute und mit dem ich viele Wanderungen unternahm.
     Bedingt durch meine Einberufung war ich gezwungen, nach Hause zurückzukehren. Der Abschied von dem Bergführer fiel mir schwerer als der Abschied von meiner Frau, die ich später heiratete.
     Die Nachricht, der Bergführer sei seit einer Wanderung verschollen, erschütterte mich bis zur Depression.
     Geboren wurde ich in einem Dorf. Im Alter von sieben Jahren wanderte meine Familie aus, damals hörte ich noch auf einen anderen Namen. Meine Herkunft hielt ich jahrzentelang geheim vor meiner Frau. Über Jahre hinweg entstand eine immer beträchtlicher werdende Kluft zwischen uns Ehepartnern.
 Im Spätsommer 1971 erschoss ich mich mit meinem indischen Jagdgewehr.



Mitwirkende

Quintet Jean Paul:
  
Gesang:KEN NORRIS
Komposition, Sax, Flöte:GABRIEL COBURGER
Klavier:MATTHÄUS WINNITZKI
Bass:SVEN KERSCHEK
Schlagzeug:DEREK SCHERZER